Samstag 06.01.2018 20:00

ERIKA STUCKY PAPITO!

Erika Stucky - F.M. Einheit - La Cetra

ERIKA STUCKY PAPITO!

Vorverkauf: : 26,30
Abendkasse: 27,00
Mitglieder: 21,50
Saal 2, bestuhlt - freie Platzwahl


Erika Stucky war schon immer für Überraschungen gut. Seit bald 25 Jahren knüpft die Sängerin, Musikerin, Songschreiberin und Multimedia-Künstlerin spannende internationale Verbindungen, von Dino Saluzzi und Carla Bley bis hin zu einem Gastauftritt bei Elvis Costello. Darüber hinaus hat sie in dieser Zeit viele eigenwillige, teils verblüffende, stilübergreifende Formationen entwickelt. Stuckys neues Werk schlägt jetzt ein weiteres Kapitel auf, mit unerwartetem Inhalt. Selbst in Relation zu ihrem bislang schon couragiertem Repertoire wirkt Papito verwegen. An der Seite der charismatischen Americano-Schweizerin glänzen hier ein Barock-Ensemble und FM Einheit, bekannt als unkonventioneller Schlagwerker, Sounddesigner und seinerzeit auch kreative Kraft bei den Einstürzende Neubauten. Angesichts dieser spektakulären Konstellation erstaunt es nicht, dass Stuckys variable Stimme Facetten entwickelt, die man bislang von ihr nur höchst selten gehört hat. Ohne Scheu vor klanglicher Schönheit schwelgt sie geradezu in Melodien, unterwandert anrührendes Crooning in ausgesuchten Momenten durch pointiert-rauen Ausdruck. Die Zusammenarbeit von Künstlern aus Klassik, Jazz und Avantgarde beruht auf einer konzeptionellen Idee. „Seit Jahren war mir klar, irgendwann ein Album mit Songs zum Thema Väter und Töchter zu machen“, erklärt Erika Stucky. Der Knoten platzte mit dem Einfall, Papito als Titel der Produktion zu wählen. Aufgewachsen in San Francisco, war ihr die spanische Verniedlichung von Papa ebenso vertraut wie das amerikanische Daddy, setzte aber andere kreative Assoziationen frei. Vater Stucky, einst nach dem Vorbild seines Vaters aus dem Schweizer Kanton Wallis in die USA ausgewandert und später mit Familie, Sack und Pack in die alpine Heimat zurückgekehrt, war ein geachteter Metzger, was Tochter Erika bis heute nicht loslässt. Seine Arbeit brachte sie auf die musikalische Umsetzung, mit Saiten statt Blech- oder Holzbläsern. „Ich wollte die Schwingungen von Därmen hören, gewissermaßen Tiere weinen hören“, sagt Stucky. „Darmsaiten haben einen unverwechselbaren Klang, der auch der menschlichen Stimme nahe kommt. Sie klingen und reagieren natürlicher als künstliche Saiten, sind empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass ich unbedingt mit Barockmusikern spielen wollte. Weil sie diese Art von Saiten benutzen und unter den Klassikern die Wilden sind, die am ehesten improvisieren.“ Fruchtbar und unkompliziert entwickelte sich auch die Zusammenarbeit mit FM Einheit. Stucky wusste, dass er ein Fan ihrer CD Lovebites ist, die sie 2002 mit Bläsern, darunter Ray Anderson, drei Streicherinnen und weiteren Musikern einspielte. Also nahm sie Kontakt auf und besuchte den Klang-Poeten. Mit dem Plan im Kopf, er möge einige Kontrapunkte zur Ästhetik des Barockensembles erfinden. Wenig überraschend verstanden sich die beiden Querdenker auf Anhieb. „Er hat erst viel zugehört, ist dann in sein Studio verschwunden und kam mit wunderbar geisterhaften Klangvignetten wieder heraus“, erinnert sich Stucky begeistert. „Wir sind beide Fans von Ennio Morricone und lieben auch subtile Musik. FM Einheit kann sehr fein würzen. Viele seiner Sounds hört man auf dem Album nicht unmittelbar, sie wirken eher psychoakustisch im Hintergrund. Aber lässt man sie weg, fehlen sie sehr.“ Zudem hat er, sagt Stucky, Aspekte ihrer typischen „extended vocals“ adaptiert und akustisch weitergedacht, was sie von der Aufgabe befreite, durch schräge Gesangstöne für subversive Brüche zu sorgen.


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