Mittwoch, 16.05.2012, 20:30 Uhr
NILS PETTER MOLVAER
"Baboon Moon" gemeinsam mit dem Jazzclub Karlsruhe
Der Norweger war einer der ersten, der breitenwirksam Jazz, Rock und Electronica zu einer Mixtur amalgamisierte, die als die Fusion der Jahrtausendwende das brodelnde Rockjazz-Feuer der 60er Jahre aufgriff und mit einer elektronisch zeitgemäßen und dezidiert nordischen Note versah. Auch wenn der Trompeter mit seinen ausladenden, melancholischen Klanglandschaften bisweilen fast beim Ambient angekommen ist, die Molvaer eher mit einem John Hassel als einem Miles Davis verbinden, rumort es aber unter der dicken Eisfläche weiterhin, stören elektronische Sperrfeuer und treibende Trommeln, versperrt sich das Klanggebräu jeder meditativen Beschaulichkeit. Molvaer nennt das freien, schwarzen Progrock. Im Gegensatz zum schroff kontrastierenden Vorgängeralbum „Hamada“ wirkt das neue Werk „Baboon Moon“ aus einem Guss wie eine großangelegte Hymne an die Nacht in ihren verschiedenen Facetten, Wach-, Schlaf- und Traumzuständen. Wenn Molvaer seine neue Formation nun als die beste Band bezeichnet, die er jemals hatte, ist das weder eine Missachtung seiner früheren Mitstreiter noch eine marktschreierische Überbewertung seiner gegenwärtigen Spielsituation. Gitarrist Stian Westerhus und Schlagzeuger Erland Dahlen tragen den Trompeter an musikalische Orte, an denen er noch nie zuvor gewesen ist. Es gibt nach wie vor jene sphärischen Momente, die man von ihm kennt, aber die Band baut zugleich auch einen unglaublichen Druck auf, der sich gelegentlich in einer einzigen Eruption, manchmal aber auch in lang anhaltenden Gewittern entlädt.
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