Wir ziehen eine gemischte ZELTIVAL-Bilanz

Publikum muss nach zwei Corona-Jahren neu gewonnen werden


Mit einem begeisternden Konzert der Hamburger Deutschrockband Selig ging am Mittwoch, 10. August 2022, unser ZELTIVAL zu Ende, das seit dem 23. Juni mehr als 30 Konzerte mit Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt aufgeboten hatte. Für das erste reguläre Sommerfestival seit 2019 ziehen wir eine gemischte Bilanz.

Einerseits feierte das TOLLHAUS mit seinem Publikum in wunderbarer Atmosphäre einen intensiven Konzertsommer, der mit internationalen Highlights, hervorragenden regionalen Projekten und überraschenden Neuentdeckungen gespickt war, in der Summe aber blieb der Publikumszuspruch deutlich hinter den Erwartungen zurück. "Wir hatten am Anfang vorsichtig mit 20.000 Besucherinnen und Besucher gerechnet", so TOLLHAUS-Geschäftsführer Bernd Belschner, "am Ende sind es nur rund 18.000 geworden." Vermutlich habe man die lokale Strahlkraft legendärer Weltstars wie dem 86-jährigen Brasilianer Hermeto Pascoal, dem zweifachen Oscar-Preisträger Gustavo Santaolalla oder dem Jazzbassisten Dave Holland mit dem indischen Tabla-Magier Zakir Hussain überschätzt. Deren Auftritte hatten uns zwar großartige Konzertabende beschert, waren jedoch vor allem von einem weit angereisten, weniger von hiesigem Publikum besucht worden. "Möglicherweise haben wir da Karlsruhe als große Kulturstadt falsch eingeschätzt", so Belschner, "und hätten in unserem Programm noch mehr populärere Namen haben müssen".

Bis auf die Verschiebung des Konzerts mit Selig, das eigentlich am ZELTIVAL-Anfang hätte stehen sollen, dann aber wegen ein Krankheitsfalls in der Band abermals, zum sechsten Mal verschoben werden musste, blieb unser Sommerfestival von direkten Corona-Auswirkungen verschont. Indirekt hatten sich die Folgen der mehrjährigen Krise vermutlich aber doch niedergeschlagen. „Die vergangenen beiden Jahre haben mehr verändert als erwartet. Man muss sich das Publikum neu erarbeiten, und ganz besonders die jüngeren Besucher, die noch keine langjährige Bindung an das ZELTIVAL haben", sagt Belschner. Auch habe sich ein durch zahlreiche Nachholtermine verursachtes momentanes kulturelles Überangebot in der Region und dem weiteren Umfeld bei den Kartenverkäufen bemerkbar gemacht.

Aus künstlerischer Perspektive freilich zeigt sich Belschner mit dem ZELTIVAL 2022 durchweg zufrieden und findet keinen Grund, das lange entwickelte Konzept, über einige Wochen ein für die Region eher außergewöhnlich dichtes Konzertprogramm mit einem breiten musikalischen Querschnitt quasi als musikalische Weltreise zu präsentieren, grundsätzlich in Frage zu stellen. Die fünf Konzerte der mit einem günstigen Eintrittspreis lockenden Top-Ten-Konzertreihe habe sich sehr bewährt, da das Publikum hierbei gerne musikalische Entdeckungen mit einem genussvollen Abend im Gartenambiente des ZELTIVAL verbinde. Insbesondere die Konzerte mit der Karlsruher Formation Forró de KA und der südafrikanischen Sängerin Nomfusi wurden so zu Publikumsmagneten. Die in diesem Jahr erstmals eingerichtete Open-Air-Bühne war bei sechs Veranstaltungen bespielt worden, auch der wieder eingeführte ZELTIVAL-Familientag sowie das Musical Gardening mit der Karlsruher Weltmusik-Formation Black Sea Shipping Company waren höchst beliebt. Die charismatische afrikanische Sängerin Dobet Gnahoré, der amerikanische Bluesgitarrist Robert Cray, die französischen Chanson-Rocker Les Yeux D'la Tête, der italienische Singer-Songwriter Pippo Pollina, der Südafrikaner Jeremy Loops, der Australier Dub FX sowie der Frankfurter Globalist Shantel und die Deutsch-Indipop-Band Jeremias sorgten ebenso für unvergessliche Abende wie der amerikanische Pedal-Steel-Gitarrist Roosevelt Collier und die japanische Minyo Crusaders, die als musikalische Entdeckungen begeisterten.

 

 

 

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