Freitag 18.11.2022 20:00

54. SWR NEW Jazz Meeting: MICAH THOMAS

"Forest"

54. SWR NEW Jazz Meeting: MICAH THOMAS

Vorverkauf: : 18,60
Abendkasse: 20,00
Mitglieder: 14,50
großer Saal - bestuhlt, freie Platzwahll


gemeinsam mit der Jazzredaktion von SWR2 und dem Jazzclub Karlsruhe e.V.

Eine Woche lang experimentiert die Creme de la Creme der zeitgenössischen New Yorker Jazzszene im Rundfunkstudio in Baden-Baden. Dann geht sie mit der 54. Ausgabe des SWR NEWJazz Meetings, dem legendären Klanglabor für improvisierte Musik, auf Tournee durchs Sendegebiet. Kurator in diesem Jahr ist der 25-jährige Amerikaner Micah Thomas. Der gehört im Big Apple zu den ausdrucksstärksten unter den stilistisch prägenden Pianisten. Er ist der wache, energische Klavier-Motor im aufrüttelnd-intensiven Immanuel Wilkins Quartet, jener zurzeit vielleicht meist-gehypten Jazzband, die auf internationalen Festivals gefeiert wird. Micah Thomas kann das Klavier mal mit der Wucht eines Gewichthebers ansteuern und dann wieder mit der filigranen Sanftheit eines Kalligraphen. Sein Wissen der Tradition reicht bis in die kleinsten Verästelungen der Jazz-Vergangenheit hinein, und er nutzt diese Ressourcen, um  aufregend neue Wege zu gehen. Die New York Times schreibt: „Nur gelegentlich – wenn überhaupt, dann nur ein paar Mal in einer Generation – taucht ein Pianist auf, der so viel Musik verschlungen und verarbeitet zu haben scheint, dass sein Stil sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart des Jazz in einer einzigen Bewegung nachvollziehen kann.“

Für das SWRNEWJazz Meeting hat Thomas das Sextett Forest zusammengestellt; eine Band, die in dieser Besetzung vorher noch nie zusammengespielt hat - sechs Musikerinnen und Musikern, die zur aufregenden zeitgenössischen New Yorker Szene gehören. „Ich möchte das Klanglabor Rundfunk-Studio nutzen, um Dinge auszuprobieren, die ich vorher noch nie gewagt habe“, erzählt der 1997 in Columbus, Ohio geborene Musiker. „Eines meiner Ziele ist, dass in der Musik an jeder Stelle alles passieren kann.“

„Wenn ich als Baby schrie, spielte meine Mutter eine DVD, auf der Itzhak Perlman Violine spielt – und sofort war ich die nächsten Stunden ruhig. Sie merkten das ziemlich schnell. Ich begann mit Klassik. Mit sieben startete ich im Jazz. Mein Vater hörte viel Blues – B.B. King und Eric Clapton. Und viel Jazz: Miles Davis, John Coltrane, Thelonious Monk. Auch viel Klassik: Beethoven, Mozart. Und dann eine Menge klassische indische Musik: Zakir Hussain, Ravi Shankar, weil mein Vater aus Indien stammt“, so Thomas über seine musikalische Sozialisation. 

Seine ersten Jazz-Erfahrungen hat Micah Thomas im Ohio Youth Orchestra gemacht - mit klassischem Big-Band-Jazz.
Doch Columbus, Ohio ist nicht gerade ein Ort, wo das Jazzleben brummt. Der Pianist hatte damals wenige soziale Kontakte und daher viel selbst ausprobiert. Und so kam es, dass schon manche Eigentümlichkeiten in sein Spiel eingesickert waren, als er 2015 nach New York zog. „Vielleicht deshalb war für mich das Jazzstudium an der Juilliard School of Music genau das Richtige.“
 Sein Lehrer dort war der große Jazzpianist Frank Kimbrough. Letzterer (zwei Generationen älter als Thomas) scherzte einmal, seine erste Stunde mit Micah sei „die schrecklichste“ seines Lehrer-Lebens gewesen. „Micahs harmonischer Sinn beeindruckte mich so tief, dass ich geneigt war, ihm über die Schulter zu schauen und Sachen von ihm abzugucken.“
Am Klavier ist Micah Thomas ein Dynamo. Persönlich ist er ein eher zurückhaltender Mensch. „Ich war sehr introvertiert und still. Und viel in meinem Kopf. Das Improvisieren half mir, in Kontakt zu anderen Menschen zu treten und aus mich rauszugehen. Wenn ich etwas Anderes gemacht hätte, wäre ich heute wohl ein unausgeglichener Mensch.“

Micah Thomas, Klavier, Kurator
Nicole Glover, Tenorsaxofon
Kalia Vandever, Posaune
Adam O’Farrill, Trompete
Henry Fraser, Kontrabass
Kayvon Gordon, Schlagzeug


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